Die Geschichte von Zottel, dem Bären

Bild von Nicole C. Bernhauser

Nicole C. Bernhauser

Die Geschichte erzählt von einem kleinen Bären namens Zottel und seinen aufregenden Erlebnissen auf dem Weg durch sein Bärenleben. Ähnlichkeiten mit Menschen und tatsächlichen Ereignissen sind möglich.

Geschrieben im Juli 1996 von Nicole Christine Krenn

Irgendwo im Wald gibt es, ganz versteckt, eine große Bärenhöhle. Vater Bär und Mutter Bär haben es sich dort sehr gemütlich eingerichtet. Sie haben ein weiches Lager aus Stroh, einen großen Vorratsraum. Und vor dem Eingang ist eine kleine, helle Lichtung, auf der jeden Tag die Kinder des Waldes spielen. Am Abend, bei Sonnenuntergang, treffen sich die weisen und alten Tiere des Waldes und berichten Neuigkeiten und was ihnen selbst so passiert ist.

Die Bärenfamilie hat im vergangenen Sommer Nachwuchs bekommen – ein kleines Bärenmädchen. Der Winter ist bitterkalt. Die Bärenfamilie kuschelt sich ganz eng zusammen. Die meiste Zeit schlafen sie und wachen nur manchmal auf, um von den Vorräten, die Vater Bär im Herbst gesammelt hat, zu naschen. Bald werden die Nächte wieder kürzer und die Frühlingsstrahlen der Sonne kitzeln die Blumen und Bäume, der Schnee schmilzt und in der Höhle und auf der Lichtung regt sich wieder das Leben.

Der lange klirrend-kalte Winter geht nicht spurlos an der Bärenfamilie vorüber. Sie sind noch enger zusammengewachsen. Im Herbst bekommt das Bärenmädchen einen kleinen Spielgefährten, einen Bärenbuben. Er hat ein kuscheliges braunes Fell, liebe kleine Ohren, eine kleine Schnüffelnase, tolpatschige Tatzen und vor allem eine große Portion Neugier. Vater Bär und Mutter Bär haben alle Tatzen voll zu tun, den kleinen Bären in Zaum zu halten. Kein Baum ist ihm zu hoch, kein Bach zu tief, keine Höhle zu finster – er muss alles ausprobieren und auskundschaften. Ja, das ist Zottel, der Bär.

Viele Bärenmonde vergehen, aus dem Bärenmädchen ist schon eine richtige Bärendame geworden. Junge Bären aus der Nachbarschaft kommen jetzt öfter vorbei, um „Guten Tag“ zu sagen und einen freundlichen Blick der Bärendame zu erhaschen. Denn bald wird es wieder Winter und da wünscht sich jeder eine Gefährtin zum Kuscheln. So ein Winter kann sehr lange dauern und zu zweit ist es viel angenehmer und auch viel wärmer in einer Höhle.

Das Fell des brummigen Vater Bär hat dort und da schon helle Flecken, denn das Leben im Wald ist manchmal ganz schön gefährlich. Schon manch wilder Kampf war auszutragen und das ging nicht immer ohne Schrammen über die Bühne. Mutter Bär, die sich liebevoll um die Bärenkinder kümmert und Heim und Herd fest in den Tatzen hat, ist an manchen Tagen einfach müde und wär froh, wenn sich die Kinder nun bald eine eigene Höhle samt Familie suchten, damit sie mit ihrem brummigen Gefährten noch ein paar schöne Jährchen in Ruhe verbringen könnte.

Der junge Bär Zottel hat, wie schon gesagt, sehr viel zu tun. Den ganzen Tag streunt er durch den Wald auf der Suche nach Abenteuern. Meistens ist er so damit beschäftigt, dass er ganz aufs Heimgehen vergisst. Dann sucht er sich irgendwo unter den Büschen eine Liegestatt und schläft dort, bis ihn die ersten Strahlen der Morgensonne an der Nase kitzeln und das Vogelgezwitscher ihn aufweckt. Auf seinen Streifzügen durch den Wald hat Zottel viele Freunde gefunden, die ihm gern mit Kost und Quartier aushelfen, wenn ihn seine Abenteuerlust wieder einmal auf alles vergessen lässt. Die Bärenfamilie hat sich dran gewöhnt, dass er nur mehr selten nach Hause kommt. Vater Bär brummt und knurrt zwar jedes Mal, wenn der Ausreißer nach einigen Tagen wieder heimkehrt, manchmal gibt´s auch eine kräftige Tatze hinter die Ohren. Aber im Grunde sind sie alle froh, wenn Zottel wieder da ist.

In der Zwischenzeit hat seine Schwester schon eine eigene Höhle gefunden und lebt dort mit ihrem Gefährten und zwei niedlichen kleinen Bärenmädchen.

Bei Zottel hingegen ist das nicht so einfach. Er hat bemerkt, dass nicht alle Bären gleich sind. Da gibt es große starke Bärenmännchen und etwas kleinere, zarte Bärenweibchen. Und steckt er seine Bärennase allzu neugierig in fremdes Revier, gerät er sich immer wieder mit dem einen oder anderen Bärenmann gar heftig ins Fell. Aber die anderen, die kleineren, ja, die haben es ihm angetan. Wo er auftaucht, strahlen sie ihn mit ihren dunklen Kulleraugen zärtlich an, sodass er gar nicht weiß, wie ihm geschieht. Eines muss ja auch gesagt werden: Zottel ist inzwischen zu einem stattlichen Bären mit großen Tatzen und seidig glänzendem Fell herangewachsen. Zwar ist auch an ihm das Leben im Walde nicht ohne Kratzer und Schrammen vorübergegangen, aber das macht ihn für die Bärendamen nur noch interessanter. Nur in seinen braunen Augen siehst du, wenn du genau hinschaust, den kleinen Bärenjungen, der nichts als Unfug im Kopf hat.

Jedes Tier im Wald hat seine Aufgabe und alle helfen sich gegenseitig. Vater Bär zum Beispiel hilft den anderen Tieren, die nicht so groß und stark sind, beim Hausbau. Die Vögel überbringen die neuesten Nachrichten aus der großen weiten Welt. Die Eichhörnchen sammeln Nüsse und Beeren für den Winter, die Bienen sorgen für Honignachschub. Nun ist es an der Zeit, dass sich auch Zottel in der Gemeinschaft nützlich macht. Das fällt ihm sehr schwer, denn viel lieber würde er durch den Wald streifen und Abenteuer sammeln. Vater Bär nimmt ihn eines Tages an der Tatze und zeigt ihm, wie man die verschiedenen Behausungen baut, welches Material er dafür braucht und vieles mehr. Langsam gewöhnt sich Zottel daran und findet sogar bald sehr viel Spaß an seiner Arbeit. Denn hilfsbereit ist er schon immer. Und so hat er ja auch noch immer die Möglichkeit, im Wald herumzukommen und kann dabei noch den anderen zur Tatze gehen.

Auf seiner Wanderschaft lernt Zottel viele Bärendamen kennen. Trotzdem hält es ihn nirgendwo sehr lange. Aus dem neugierigen jungen Bären ist ein rauer, einsamer Geselle geworden, der lieber mit anderen Bärenmännern herumtollt und von den überreifen Früchten gern einmal zu viel nascht, sodass er ganz benommen davon ist und ihn seine Tatzen nicht mehr so recht tragen wollen. Liegt er an manchen Tagen müde und faul auf seinem Strohbett und döst vor sich hin, träumt er einen seltsamen Traum: Er sieht sich selbst und eine Bärendame und kleine Bärenkinder, die gemeinsam in einer Höhle leben. Sie haben viel Spaß miteinander, sind nie alleine und die Liebe und Geborgenheit wächst von Tag zu Tag. Dabei wird ihm ganz eigenartig zumute, er wacht auf, schaut sich nach seiner Familie um und ….

…. er ist allein. Da packt ihn wieder das Fernweh und er begibt sich auf die Reise ins nächste Abenteuer.

Eines schönen Tages, nach vollbrachtem Tagwerk weiß Zottel nicht so recht, was er anfangen soll. Er hat sich zwar schon eine kleine Höhle gesucht und recht gemütlich eingerichtet, aber irgendetwas stimmt nicht, fehlt noch, damit er sich dort auch so richtig wohlfühlt, glaubt er. So streunt er wieder einmal durch die Gegend, auf der Suche nach diesem „Irgendetwas“. Plötzlich sieht er Braunauge, eine junge Bärendame, die ihn vorsichtig und ein bisschen kokett anlächelt. Zottel weiß nicht, wie ihm geschieht und was er jetzt tun soll. Sein erster Gedanke ist Flucht vor dem „Feind“, den er auch prompt in die Tat umsetzt. Es dauert jedoch nicht lange und Zottel verspürt eine gewisse Neugier in sich wachsen. Und da ist noch etwas. Denkt er an die braunen Kulleraugen und das glänzende Fell von diesem Bärenmädchen, wird ihm ganz eigenartig in seinem Pelz. Sein sonst so starkes Bärenherz macht ungewöhnliche Hüpfer, die Tatzen werden unruhig und der Bärenmann regt sich in ihm. Obwohl es sonst nicht seine Art ist, sucht er immer wieder die Nähe von Braunauge und es dauert nicht lange, bis er sie in seine Höhle mitnimmt.

Das ist eine ganz neue Erfahrung für ihn. Plötzlich hat auch Zottel jemanden, um den er sich kümmern soll. Das Jungbärenleben scheint beendet zu sein. Er ist hin- und hergerissen. Zwei Bärenherzen schlagen in seiner Brust. Einerseits hat sich Zottel schon sehr an Braunauge gewöhnt, andrerseits locken die wilden Freunde mit Abenteuern und überreifen Früchten. Und etwas Wichtiges hat er in den langen Jahren der Wanderschaft und des Alleinseins vergessen: jeder Bär braucht Liebe, Zuneigung und die Wärme und Geborgenheit eines gemeinsamen Strohlagers.

Es soll nur einige Bärenmonde dauert, bis sich alles ändert und Zottel vor dem Neubeginn steht. Was passiert?

Braunauge wird mit der Zeit sehr traurig, weil sie oft einsam und allein in der Höhle ist. Tief in ihrem Inneren versteht sie ihren Bärenmann, denn auch sie hat das Jungbärinnenleben lange Zeit genossen, bevor sie Zottel getroffen hat. Ein gemütlicher Alltag in trauter Zweisamkeit will sich einfach nicht einstellen. Sie fühlt, dass dieses Leben, dass sie seit langem führen, keine Zukunft für beide hat. Jeden Abend allein in der Höhle zu warten, bis Zottel nach Hause kommt, irgendwann, und die Sorge um ihn, ob er wieder mal zu sehr von den süßen reifen Früchten des Waldes genascht hat, das kann Braunauge nicht länger aushalten. Sie fasst sich ein Bärenherz, packt ihre paar Habseligkeiten und zieht weiter. Sie hat ihren Zottel zwar immer noch gern, aber Alleinsein kann sie in einer eigenen kleinen Höhle besser und entspannter.

Und so passiert es, dass Zottel wieder alleine ist. Zwar hat er immer noch Vater und Mutter Bär, seine Schwester samt Familie, aber seine Chance auf eine eigene Familie – die hat er verspielt. Plötzlich ist er aus der Bahn geworfen. Denn es war ja ganz praktisch, sein bisheriges Familienleben. Hatte er Lust, verkroch er sich in seine Höhle. War Braunauge gar zu lästig, fing sie manch eine Tatze und war dann wieder eine Zeit lang ruhiggestellt. Riefen seine Freunde, zog er mit ihnen los, immer mit dem beruhigenden Gedanken, dass Braunauge zuhause auf ihn wartete. Und jetzt – wartet nur eine kalte, muffige Höhle auf ihn. Das soll alles gewesen sein?

Zottel sucht verzweifelt Ersatz für dieses verlorengegangene Gefühl von Zuhause. Er arbeitet wie ein wilder Bär, spricht den überreifen Früchten immer öfter zu und merkt am Anfang gar nicht, dass ihn das aus seinem Schlamassel nicht heraus-, sondern immer weiter in ein neues hineinführt. Natürlich finden sich viele Bärendamen, die sich sofort seiner annehmen und seine Höhle putzen, seine Vorratskammer auffüllen und ihn in manch kalter Nacht hinter den Ohren kraulen und sein struppiges Fell bürsten. So sehr sie sich auch bemühen, Zottel trauert noch lange um sein geliebtes Braunauge.

Da wird Vater Bär schwer krank. Zottel muss jetzt auch die Arbeit von seinem Vater übernehmen. Ein lange vermisstes Gefühl kehrt zurück: Er wird wieder gebraucht, er muss wieder für etwas Verantwortung übernehmen. Das schon etwas zerzauste, ein bisschen ungepflegte Fell von Zottel bekommt seinen gesunden Glanz zurück und scheint die Abendsonne drauf, glänzt es wie dunkler Honig. Nach einiger Zeit spricht es sich im Wald und darüber hinaus herum, dass Zottel ein ganz verlässlicher und fleißiger und besonders geschickter Hausbauer ist. Er bekommt sogar ein Angebot von einem Revier, das viele Stunden mühsamer Wanderschaft von seiner Heimat entfernt ist. Zottel überlegt nicht lange, packt seine Siebensachen und macht sich auf den Weg in den Norden.

Dort angekommen, hat er endlich wieder den Ansporn, mit seinen besonderen Leistungen zu überzeugen. Nur in unruhigen, schlaflosen Nächten erinnert er sich dunkel an die schweren Jahre. Er hat jetzt alle Möglichkeiten, sein Bärenleben in Ordnung zu bringen. Er sucht sich eine große Höhle, die er sich ganz gemütlich auspolstert. Und es wird sicher nur mehr wenige Bärenmonde dauern, bis er wieder eine liebe kleine Bärendame findet, die zu ihm in seine Bärenwohnung zieht. Bald werden kuschelige kleine Zottelbären vor der Höhle spielen und der eine oder die andere davon wird sich auf die Suche nach Abenteuern und Gefährten in den Wald aufmachen …..

Nicole Bernhauser, Inhaber der Schreibstube Bernhauser

So bin ich

Schön schreiben ist mir in der Schule nicht so gut gelungen. Heute nehm ich gern eine Feder und schreib ein paar Zeilen für liebe Freund*innen.

Einen Brief, auf dem meine Anschrift mit der Hand geschrieben steht, mach ich immer als Erstes auf. Das spricht mich einfach mehr an.

Ich kann nichts dafür, aber die Tippfehler in Texten, Speisekarten und auf Plakaten springen mich gleich so an.

Und ich schreib selber gern Geschichten. Mit einfachen, aber starken Sätzen, die du schon beim ersten Lesen sofort verstehst. Mit Worten Bilder malen, ja, das ist mein Hobby.

Gelernt hab ich Touristikkauffrau in Kleßheim. Werbung zu machen, war mein täglich Brot in Tourismusverbänden und Hotels.
Das Familienmanagement mit 3 Kindern, Mann und 2 Katzen hat mich viele Jahre ausgelastet. 

Jetzt bin ich wieder dran. Ich nehme mir Zeit für das, was mir Freude bereitet. Das ist einerseits, mit kinesiologischen Methoden Menschen zu unterstützen. Und andrerseits meine Vorliebe für Buchstaben, Wörter, Worte und was du damit alles bewirken kannst. Das lebe ich in meiner Schreibstube aus.

Mehr von mir gibt´s in Judenburger Schaufenstern, in Magazinen und im Impuls-Magazin des ÖBK zu lesen.

 Nicole C. Bernhauser

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