Warum spinnst du jetzt?

Nicole C. Bernhauser

Nicole C. Bernhauser

Habt ihr auch eine Mutter, die dauernd euer Bestes will? Ich wohn mit einer im gleichen Haushalt.

Der springende Punkt beim „das Beste wollen“ ist, herauszufinden, für wen es das Beste denn wäre. Da kann es schon passieren, dass die Frage: „Warum spinnst du?“ herausrutscht.

Vorgeschichte

Mein Kind braucht ein Buch für die Schule. Ich will es dabei unterstützen und frage mehrmals nach, ob es das schon in der Buchhandlung bestellt hat. Nach mehreren Tagen dürfen wir es doch gemeinsam online bestellen. Jetzt ist das Buch schon seit 3 Tagen abholbereit. Daraus schließe ich heute, das Buch ist nicht wichtig.

Mein Kind schickt mir ein Foto von seiner kaputten Brille. Ich biete – ungefragt – meine Hilfe an. Ich suche Brillenfassungen im Internet, ich frage den Optiker unseres Vertrauens um den Preis für eine neue Brille, ich vereinbare für mein Kind einen Termin zum Messen der Sehstärke. Ich erinnere mein Kind mehrmals an den Termin. Zur vereinbarten Zeit warte ich vor dem Geschäft. Vergeblich. Daraus schließe ich, die Brille ist nicht wichtig.

Warum spinnst du ...

Warum ich so zornig bin, werd ich kurz drauf gefragt!

Ja, das ist jetzt eine gute Frage.

Auf keinen Fall bin ich auf die Kinder zornig.

Ich befürchte, ich bin auf mich selbst zornig.

Zornig, weil:

Ich will das Beste für andere und mische mich in Dinge ein, die mich nichts angehen.

Ich ver(sch)wende meine kostbare Zeit für andere, obwohl sie gar nicht darum gefragt haben.

Ich entmündige andere, erwachsene Menschen, indem ich ihnen nicht zutraue, selbst ihre 7 Sachen unter einen Hut zu bringen. Und wenn sie bis jetzt noch nicht erwachsen sind, werden sie es durch selbstständiges Handeln.

Ich glaube zu wissen, was andere brauchen und will es für sie richten.

Und wahrscheinlich erwarte ich zu allem Überfluss auch noch ein „Danke, dass du so lieb bist und so viel für mich tust!“.

Ergebnis

Das Buch liegt noch länger in der Buchhandlung abholbereit.
Die Brille ist nicht so wichtig wie die Party mit Freunden bis in die Morgenstunden.
Meine Zeit hab ich wieder einmal erfolgreich verschwendet – für andere, die gar nicht drum gefragt haben.

Danke für den Wink mit dem Zaunpfahl – oder ist es doch schon das Sägewerk? – Schau auf dich, sonst tut es keiner!
Wann werde ich endlich lernen, darauf zu achten, was ICH brauch und will? Und das auch tun!!

Heute fang ich damit an, das versprech ich mir. Ich hab die Schnauze voll von „vergebener Liebesmüh“. Es reicht. Ich will nie mehr „Warum spinnst du?“ hören!

Das Ergebnis ist: es ist für keinen der Beteiligten das Beste, wenn eine/r „das Beste will“.

Zum Schluss zieh ich noch eines meiner Motivationskärtchen:

„Ich bin gut, so wie ich bin“

Danke, wenigstens die Karten wissen es bereits. Und ich bin grad dabei, es auch zu kapieren, noch in diesem Leben, wenn´s leicht geht, Madame!!!

So bin ich

Schön schreiben ist mir in der Schule nicht so gut gelungen. Heute nehm ich gern eine Feder und schreib ein paar Zeilen für liebe Freund*innen.

Einen Brief, auf dem meine Anschrift mit der Hand geschrieben steht, mach ich immer als Erstes auf. Das spricht mich einfach mehr an.

Ich kann nichts dafür, aber die Tippfehler in Texten, Speisekarten und auf Plakaten springen mich gleich so an.

Und ich schreib selber gern Geschichten. Mit einfachen, aber starken Sätzen, die du schon beim ersten Lesen sofort verstehst. Mit Worten Bilder malen, ja, das ist mein Hobby.

Gelernt hab ich Touristikkauffrau in Kleßheim. Werbung zu machen, war mein täglich Brot in Tourismusverbänden und Hotels.
Das Familienmanagement mit 3 Kindern, Mann und 2 Katzen hat mich viele Jahre ausgelastet. 

Jetzt bin ich wieder dran. Ich nehme mir Zeit für das, was mir Freude bereitet. Das ist einerseits, mit kinesiologischen Methoden Menschen zu unterstützen. Und andrerseits meine Vorliebe für Buchstaben, Wörter, Worte und was du damit alles bewirken kannst. Das lebe ich in meiner Schreibstube aus.

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