Die Perfekte in meinem Bett

Nicole C. Bernhauser

Nicole C. Bernhauser

Lesen ist Abenteuer im Kopf, hab ich gelesen. Was tun, wenn das Abenteuer aus dem Buch heraussteigt und die Fäden in die Hand nimmt?

Heut hab ich über die Freude der Anstrengung gelesen. Gehirnforscher haben bewiesen, dass sich Kinder gerne anstrengen, jeden Tag und bei allem, was Freude bereitet. Wie oft fallen sie hin, bis sie endlich stabil auf ihren Beinen stehen? Ein paar hundert Mal sicher. Und mit jedem Versuch wird die Verknüpfung im Gehirn stabiler und die Datenautobahn schneller. Schwierig wird es, sobald Bewertung dazukommt. Wo Regeln und Korrekturen angewendet werden, die das Kind, den Menschen in eine Schublade stecken. Wenn es nicht mehr für seine Fähigkeiten und seine Einzigartigkeit bewundert wird, sondern die Fehler in rot hervorgehoben werden.

So einfach geht das übrigens mit allem, was wir mit Freude lernen, egal, wie alt wird sind. Wiederholen, tun und üben festigt die Datenwege im Kopf.

Meine Mitbewohnerin

Ich les grad so vor mich hin ….

Da hat sie sich wieder angeschlichen, ganz unauffällig, aber hartnäckig. Nein, nicht meine Katze, meine perfekte Mitbewohnerin! Seit einer Ewigkeit wohne sie bei mir. Man könnte meinen, sie ist mir liebgeworden. Aber ist sie das, nur weil ich mich jahrzehntelang an ihre Anwesenheit gewöhnt hab?

Die Perfekte ist ja auch sehr unsichtbar. Meist versteckt sie sich unter ihrem ScheinHeiligenSchein. Heimlich schleicht sie sich an und überrumpelt mich Hals über Kopf. „Ich mein´s ja nur gut, ich sag ja nur, eigentlich sollte …..“, so geht es dahin, ohne Pause und Luftholen.

Wo kommt sie her? Das weiß ich gar nicht. Sie wohnt in meinem Haus seit ewigen Zeiten. Ja, sie schläft sogar in meinem Bett. So eine ist das!

In der Früh, wenn sie aufwacht, rattert sie sofort los: das hab ich vergessen, jenes muss ich unbedingt heute erledigen, der hat dies gestern zu mir gesagt …..Es ist die Fortsetzung ihrer Abendunterhaltung. Bevor sie einschläft, rattert sie noch dahin: das muss ich morgen unbedingt machen, jenes ist heute passiert, das sollte ich das nächste Mal anders machen, …

Wenn ich sie drauf anspreche, ist sie sehr belehrend. Sie weiß alles, kann alles, macht alles, hat für alles eine Lösung, wie ein richtiges BesserWisserEinzelkind. Nur für die Lösung meines Problems mit ihr, da hat sie kein offenes Ohr.

Mit Gatsch überlistet

Heute hab ich sie überlistet. Ich hab sie mit rosa Schuhen auf einen Spaziergang an den sonnigen Waldrand gegenüber von meinem Fenster mitgenommen. Auf den Feldern liegt noch Schnee. Wo Sonne und Wind den Schnee bereits vertrieben haben, ist Asphalt oder Gatsch, tiefer erdigbrauner Gatsch. Ein Paradies für Kinderfüße! Ein Horror für meine Mitbewohnerin. Lange ist alles gutgegangen. Der Weg war trocken und geräumt. Anfangs. Auf dem Rückweg am Waldrand ist es dann passiert. Gatsch, wohin die Füße treten.

Ich hab sie beruhigt: „Wir haben zuhaus eine Waschmaschine! Die macht die Hose wieder sauber. Die Schuhe können wir nachher putzen. Und geht ein Fleck nicht raus, dann ist er immer noch gut verwendbar als Erinnerung an das Abenteuer.“ Nach ein paar hundert Metern war sie bereit. Bereit zum Abenteuer „Gatsch“! Es war richtig lustig, mit rosa Winterschuhen durch braunes WasserErdGemisch zu stapfen. Weich und bequem hat es sich angefühlt. Kein Vergleich zum rutschigen Eis am Rand des Weges, jeden Moment bereit zum Kugeln (Ausrutschen).

Ein X wird zum U

Wir werden das jetzt üben. Wir werden aus dem X ein U machen. Wir werden einfach etwas nicht wissen und nicht können. Und es wird sich trotzdem gut anfühlen. Einfach mal etwas liegenlassen. Einfach drübersteigen statt wegräumen. Boa, wenn das so einfach wär, hätt ich es schon längst gemacht. Wir machen es wie die Kinder in dem Buch, wir üben. Ein paar hundert Mal sicher. Gut, das heißt, ein paar hundert Mal etwas liegenlassen oder drübersteigen. Das schaff ich locker in ein paar Tagen, bei dem Angebot zuhaus!! Und einen ganzen Haufen Fehler bring ich auch noch zusammen, das wär doch gelacht.

Irgendwann werd ich sie fragen, meine Mitbewohnerin, ob sie schon immer so perfekt war. Hat sie als Kind jemanden gehabt, der sie bedingungslos angenommen und geliebt hat, so wie sie ist? Mit all ihren liebenswerten Ecken und Kanten? Hat sie Kritik an ihrem Tun persönlich genommen und den Fehler bei sich gesucht? Hat sie öfter Ablehnung erlebt und erfahren und gedacht: „Wenn ich alles gut und richtig mach, dann werden sie mich wieder mögen!“ Da bin ich neugierig auf ihre Erzählungen, ob diese Idee bei ihr zum Erfolg geführt hat. Bei mit klappt das nämlich nie.

Vielleicht werden wir ja irgendwann Freundinnen, meine Mitbewohnerin und ich. Dann werd ich freudig mein Kissen mit ihr teilen. Vor dem Einschlafen erzählen wir uns, was wir Lustiges und Merkenswertes erlebt haben. Beim Aufwachen freuen wir uns auf eine gute Tasse Kaffee, auf den Blick in den Spiegel und auf die Pläne für den kommenden Tag mit all seinen Abenteuern.

Und dann, beim Heimfahren vom Spaziergang, singt Sarah Connor im Radio:

… mit all deinen Farben, mit all deinen Narben, wie schööööön du bist!

So bin ich

Schön schreiben ist mir in der Schule nicht so gut gelungen. Heute nehm ich gern eine Feder und schreib ein paar Zeilen für liebe Freund*innen.

Einen Brief, auf dem meine Anschrift mit der Hand geschrieben steht, mach ich immer als Erstes auf. Das spricht mich einfach mehr an.

Ich kann nichts dafür, aber die Tippfehler in Texten, Speisekarten und auf Plakaten springen mich gleich so an.

Und ich schreib selber gern Geschichten. Mit einfachen, aber starken Sätzen, die du schon beim ersten Lesen sofort verstehst. Mit Worten Bilder malen, ja, das ist mein Hobby.

Gelernt hab ich Touristikkauffrau in Kleßheim. Werbung zu machen, war mein täglich Brot in Tourismusverbänden und Hotels.
Das Familienmanagement mit 3 Kindern, Mann und 2 Katzen hat mich viele Jahre ausgelastet. 

Jetzt bin ich wieder dran. Ich nehme mir Zeit für das, was mir Freude bereitet. Das ist einerseits, mit kinesiologischen Methoden Menschen zu unterstützen. Und andrerseits meine Vorliebe für Buchstaben, Wörter, Worte und was du damit alles bewirken kannst. Das lebe ich in meiner Schreibstube aus.

Mehr von mir gibt´s in Judenburger Schaufenstern, in Magazinen und im Impuls-Magazin des ÖBK zu lesen.

 Nicole C. Bernhauser

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