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Nicole C. Bernhauser

Warum die Farben explodierten und eine gelbe Kugel am Judenburger Sternenturm ein neues Zuhause fand.

Einst lebten die Farben miteinander in einer Welt voller Respekt und Freude. Sie vertrugen sich gut. Meist blieb jede Farbe für sich, das Rot bei den Rottönen, das Blau in der blauen Ecke und das Gelb beim Gelb. Manchmal, wenn die Freude mit ihnen durchging, übersahen sie es und verrannen untrennbar ineinander: schon war ein neuer Farbton geboren.

Zu besonderen Anlässen feierten sie Feste, die heller und bunter nicht leuchten konnten. Sie achteten sich gegenseitig und sorgten für den nötigen Abstand, damit nicht alle in einen Topf fielen und verschwanden. Denn seit Farbengedenken wussten sie, dass daraus nichts Leuchtendes werden würde. Eher ein dunkles, gräuliches Mischmasch, in dem die einzelnen Farben nicht mehr zu erkennen wären. Darum waren sie auch in der äußersten Ausgelassenheit achtsam.

Irgendwann jedoch schlichen sich dunkle Gestalten ein in die Welt der Farben. Sie stichelten, sie verbreiteten Unruhe. Sie konnten einfach nicht verstehen, dass sich die Farben so gut verstanden. Das stete Einmischen dieser farblich undefinierbaren Wesen war anfangs noch erträglich. Die Farben lachten darüber. Aber bald verging ihnen dieses Lachen. Unangenehmes, das ihnen bis dahin nicht einmal vom Hörensagen bekannt war, kroch aus allen Ecken: Neid und Missgunst. Diese beiden waren auch nicht schön anzusehen. Stechend war ihr Farbton. Und es schien, als würden sie sogar einen eigenartigen scharfen Geruch verbreiten.

Steter Neid zerstört die größte Freude. Und so geschah es auch in der Welt der Farben. In alten Schriften wird berichtet, dass Neid und Missgunst den Ausschlag gaben, warum vor viiiielen Monden die Welt der Farben zerfiel.

Viele Fragen waren plötzlich wichtig: Wem steht der Platz in der Mitte zu? Warum muss ich neben Grün wohnen? Blau hat viel mehr Platz! Rot drängt immer in die erste Reihe! Gelb lacht immer so laut! Und, und, und, ….

In einem Augenblick, als alle gerade besonders unachtsam waren, löste sich die Farbwelt mit einem großen Knall auf und stob auseinander. Rote Patzen und grüne Schlieren zogen über den Himmel. Das Violett donnerte wie eine Gewitterwolke davon. Weiß löste sich auf und verschwand in alle Himmelsrichtungen.

Schreibstube Bernhauser schreibt über Gelb

Das Gelb war das leichteste. Es wirbelte hoch hinauf, fast bis zur Sonne. Es trudelte und flog wie ein Tennisball, boing boing, von einem Ende des Horizonts zum anderen und wieder zurück. Nach einigen Momenten des Schreckens fing es sich und konnte seine Flugbahn beruhigen.

Unter sich sah das Gelb blaue Bänder am Boden dahinschlängeln, zuerst ganz dünn, dann immer dicker, bis sie sich irgendwo mit anderen verbanden. Große Flecken in allen Grüntönen mit grauen spitzen Zacken lagen dazwischen. Es sah auch Haufen von Schachteln, große, kleine, lange, flache und hohe. Manche hatten spitze rote Deckel, manche flache braune oder glänzend graue.

Das kleine Gelb wurde müde. Es wusste nicht, wohin es sollte. Aber viel Kraft zum Weiterfliegen hatte es auch nicht mehr.

Es spähte nach einem gemütlichen Ort zum Rasten aus. Da, da war etwas! Ein hoher steinerner Vierkant mit spitzer Spitze ragte aus der Gegend empor. Das Gelb konnte diese Spitze im Vorbeifliegen erhaschen. Wie ein Propeller wickelte es sich darum. Naja, es war ja auch ganz schön schnell dahergeflogen, das Gelb. Nach ein paar Runden wurde es langsamer und konnte vorsichtig schauen, wo es denn da gelandet war. Es war in Judenburg.

„Aaahh! Schöne Aussicht!“ Ringsum sah das Gelb andere Schachteln, mit roten Dächern, mit glänzenden Seiten und noch mehr. In der Ferne hörte es Wasser plätschern. Es roch ein bisschen nach Weihrauch, nach Wald und nach altem Gemäuer. Plötzlich tönte aus dem Inneren des Vierkants ein gewaltiger Glockenklang, schwer und mächtig. Das gefiel dem kleinen Gelb. Da wollte es bleiben. Es rutschte vorsichtig an dem Gebilde hinunter und rollte sich kurz über dem Boden in einer Nische zusammen. „Gääähn, ich bin schon soooo müde. Chr, chr, chr …!“ Noch bevor es fertig gedacht hatte, war es eingeschlafen. Da hing es jetzt am Fuße des Turmes als gelbe Kugel über dem Eingang und schlief.

Es träumte von seinen Farbfreundinnen. Sie kamen aus allen Himmelsrichtungen wieder zusammen. Jede hatte Abenteuerliches erlebt. Sie waren so froh, wieder beisammen zu sein. Diesen dunklen Gestalten Neid und Habgier wollten sie nie mehr begegnen. Sie hielten sich an den Händen und marschierten friedlich nebeneinander durch die Welt, wie in einem strahlenden Regenbogen. Am Ende des Regenbogens war der Schatz verborgen: die pure Freude, miteinander und nebeneinander Platz zu haben in dieser Welt.

Nicole Bernhauser, Inhaber der Schreibstube Bernhauser

So bin ich

Schön schreiben ist mir in der Schule nicht so gut gelungen. Heute nehm ich gern eine Feder und schreib ein paar Zeilen für liebe Freund*innen.

Einen Brief, auf dem meine Anschrift mit der Hand geschrieben steht, mach ich immer als Erstes auf. Das spricht mich einfach mehr an.

Ich kann nichts dafür, aber die Tippfehler in Texten, Speisekarten und auf Plakaten springen mich gleich so an.

Und ich schreib selber gern Geschichten. Mit einfachen, aber starken Sätzen, die du schon beim ersten Lesen sofort verstehst. Mit Worten Bilder malen, ja, das ist mein Hobby.

Gelernt hab ich Touristikkauffrau in Kleßheim. Werbung zu machen, war mein täglich Brot in Tourismusverbänden und Hotels.
Das Familienmanagement mit 3 Kindern, Mann und 2 Katzen hat mich viele Jahre ausgelastet. 

Jetzt bin ich wieder dran. Ich nehme mir Zeit für das, was mir Freude bereitet. Das ist einerseits, mit kinesiologischen Methoden Menschen zu unterstützen. Und andrerseits meine Vorliebe für Buchstaben, Wörter, Worte und was du damit alles bewirken kannst. Das lebe ich in meiner Schreibstube aus.

Mehr von mir gibt´s in Judenburger Schaufenstern, in Magazinen und im Impuls-Magazin des ÖBK zu lesen.

 Nicole C. Bernhauser

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